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Die Tiere an der Krippe

Zur Weihnacht dort im kalten Stall,

da ist kein Tier mehr still,

es raschelt, wispert, brummt und piept,

und jeder lieb sein will.

 

Zur Weihnacht überm kalten Stall,

da wird die Eule wach,

hebt lautlos ihre Schwingen hoch

und setzt sich auf das Dach.

 

Zur Weihnacht dort im kalten Stall,

was raschelt leis im Heu?

Ein kleines Mäuschen und ein Floh,

die sind heut auch dabei.

 

Zur Weihnacht dort im kalten Stall,

da ist der Löwe zahm,

der weither durch den Wüstensand

auf weichen Tatzen kam.

 

Zur Weihnacht dort im kalten Stall,

da tapst der Igel her.

Er legt die Stacheln brav zurück,

nun stechen sie nicht mehr.

 

Zur Weihnacht dort im kalten Stall,

die Mücke lieb sein will,

tanzt lustig um die Krippe rum

und hält den Stachel still.

 

Zur Weihnacht dort im kalten Stall,

die Henne kommt herbei.

Die scharrt und gackert und schaut stolz:

„Ich leg dem Kind ein Ei!“

 

Zur Weihnacht dort im kalten Stall,

fehlt nicht der stolze Hahn!

Der reckt den roten Kamm empor,

hört, wie er krähen kann!

 

Zur Weihnacht dort im kalten Stall,

da trabt der Esel her.

Der hat den ganzen weiten Weg

das Kind getragen schwer.

 

Zur Weihnacht, nein da fehlt auch nicht

der Fuchs, der Gänsedieb.

Der macht sein böses Maul nicht auf

und ist ganz zahm und lieb.

 

Zur Weihnacht dort im kalten Stall,

kommt auch das Lamm dazu.

Es legt sich schnell ins weiche Stroh,

das Kind, es lächelt froh.

 

Zur Weihnacht dort im kalten Stall,

wer hat die Tür jetzt aufgemacht?

Es ist der Wolf, der Frieden sucht

in dieser dunklen Winternacht.

 

Zur Weihnacht dort im kalten Stall,

ein Spinnlein klitzeklein,

es spinnt den Faden schnell und lang,

will auch nah bei dem Kinde sein.

 

Zur Weihnacht schleicht auf Tatzen weich

die Miezekatze an.

Sie wärmt das Kind mit ihrem Fell,

hört, wie sie schnurren kann.

 

Und fröhlich bellend springt dort her

der Bello in der Nacht.

Er legt sich an die Krippe dicht

und hält so treu die Wacht.

 

Sogar die gift’ge Schlange - schau,

die schlängelt sanft herbei.

Sie steckt die böse Zunge weg,

verkriecht sich schnell im Heu.

 

Der Ochs stellt sich zu Füßen hin,

sein Maul geht auf und zu.

Er sabbert mal, dann ist er still,

stört nicht des Kindleins Ruh.

 

Zur Weihnacht dort im kalten Stall,

ein starkes Pferd kommt rein,

es pustet ganz viel warme Luft,

in jedes kalte Herz hinein.

 

Und wer fliegt durch des Türes Spalt,

ein Schmetterling - seht her!

Er ist im Winter aufgewacht,

nun freut er sich gar sehr.

 

Was raschelt da nur unterm Stroh,

und jeder weiß genau,

es ist der Maulwurf, der nun kommt.

Des Nachts ist er besonders schlau.

 

Da - eine liebe Biene fliegt,

bringt süßen Honig her.

Die brummt und summt und flüstert leis:

„Heut stech ich keinen mehr!“

 

Und hoppel, hoppel, wer kommt da

heraus aus seinem Bau?

Das Häschen hoppelt flink heran,

macht Männchen, Kindlein schau!

 

Und da - sogar das kleine Reh,

das ist heut nicht mehr scheu.

Es springt heran mit leichtem Huf

und legt sich schnell ins Heu.

 

Und sieh - ein weißes Täubchen schwebt

in sanftem Flug heran.

Ich bring dem Kind die Feder her,

damit es spielen kann.

 

Wer tapst und stapft da vor der Tür,

das ist der große Bär!

Der brummt dem Kind ein Liedchen vor,

ist gar nicht böse mehr.

 

Da springt was Braunes schnell daher,

den Schwanz empor gereckt.

Das Eichhörnchen hat eine Nuss

dem Kind ins Stroh gesteckt.

 

So ist der Stall gerappelt voll

mit Tieren in der Nacht.

Das brummt, miaut, das raschelt, piept:

das Kindlein hat gelacht!

© Barbara Cratzius - ergänzt Hans-Werner Kulinna (2012)