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Kind, verstumme nicht

 

Und wieder knallen Bilder

sekundenschnell ins Licht.

Du Kind – sitzt da und hörst mich nicht.

So ganz gebannt ergötzt du dich.

 

Du hast die Seele abgegeben

an eine Glitzerzauberwelt.

Und du vergräbst dich still und leise

in deine Welt – auf deine Weise.

 

Du  wirst auf diesem Wege nur

ein armes Kind, verhältst dich stur,

der Antrieb geht dir wohl verloren,

der Wortmüll liegt in deinen Ohren.

 

So lebst du stumm in deiner Zeit,

der Monitor beherrscht dein Sprechen,

die Großen sind nur schwer bereit,

die Bilderflut zu unterbrechen.

 

Der Medienmüll – er schließt dich zu

und deine Seele sucht die Ruh’,

das Leben selber zu erfahren,

dein eignes Ich auch zu bewahren.

 

Der Lehrer ruft sein Klagelied,

seit vielen Jahren rauf und runter.

Wie mach’ ich meine Kinder munter?

So denkt er stets beim Morgenlied.

 

„Ihr Kind wirkt müde!“, sagt der Lehrer.

Doch Ehrlichkeit – sie wäre fairer.

Die Eltern müssten halt begreifen,

mal „nein“ zu sagen, satt zu kneifen.

 

Denn wer will Kindern böse sein,

sie finden dies und das ja fein.

Die Eltern lieben wegzugucken,

die Sache mag sie wenig jucken.

 

So machen wir im Lauf der Zeit

das Kind zum Schweigen nur bereit.

Und jeder Hauch von Phantasie

ist weggeblasen – wie noch nie.

 

Der Katzenjammer, der wird groß,

das Lernen fällt nicht in den Schoß.

Mach jede Störung einfach stumm,

so bleibt dein Kind nicht ganz so dumm.

 

So geht das Kind den schiefen Weg,

der abwärts führt, nicht weiter geht.

Da sitzen lauter stumme Fische,

mit Fragen am Computertische.

 

Wer schützt das Kind vor Monitoren,

die Herzen sind fast eingefroren

in dieser schneller Glitzerwelt.

Ob das uns allen so gefällt?

 

Am schlimmsten ist die Einsamkeit,

man denkt, man ist ja doch zu zweit.

Und wenn des Tages Vorhang fällt,

war niemand, der die Hand dir hält.

 

So lebst du deine eigne Welt,

der Bildschirm ist’s, der dich wach hält.

Und deine kleinen Lebensbahn

verläuft im schnellen Bilderwahn.

 

Und deine Seele trägst du fort,

du klammerst dich an jeden Ort,

den dir das Netz zu bieten hat.

Am Ende bist du müd’ und matt.

 

Misstrau' der schnellen Bilderwelt,

besuch' den Freund, der zu dir hält,

benutz' dein Herz und den Verstand,

nimm selbst dein Leben in die Hand.

© Hans-Werner Kulinna